Ziegeleibrand vom 21.08.1971

Ein Brand mit hohen Risiken

Das Brandobjekt befand sich im Zentrum von Heerbrugg, wo heute das Coop-Center steht. Beim Einsatz war verschiedenen Risiken Rechnung zu tragen: Stromleitungen mit hoher Spannung, Tanks mit feuergefährlichem Inhalt, unmittelbar gefährdete Liegenschaften in der Umgebung. Max Kaiser: „ Das 1870 erbaute und 1968 stillgelegte Ziegeleigebäude stand zwischen Staatsstrasse mit Trolleybus-Oberleitung (5000 Volt) und SBB-Bahnhofareal mit 15000-Volt-Oberleitung und 33000-Volt-Speiseleitung. Die Trolleybus-Oberleitung war an vier Stellen in der Ziegeleiwand verankert. Erschwerend wirkte auch die Grösse des Areals von 5000 Quadratmetern mit einer Umfalldistanz vin 420 Metern. Das Ziegeleigebäude wurde im Lauf der Jahre zu einem Grossbetrieb ausgebaut, ein Wohnhaus war angebaut. Nördlich und südlich der Ziegelei befanden sich zwei Hochkamine von 43m Höhe. An der nördlichen Ecke befanden sich eine Bezintanksäule mit einem Bodentank von 20000l Inhalt, zwischen den Gebäuden 9 und 13 befand sich ein Extra-Leichtöltank von 200000 l Inhalt gefüllt und an der südwestlichen Ecke des Gebäudes ein unterirdischer 80000 l Betontank mit einem Inhalt von etwa 17000 l Extraleichtöl. Südwestlich des Gebäudes Nr. 9 im Abstand von 25m befand sich ein 800000 l Tank, Inhalt während des Brandes ca. 200000 l Extra-Leichtöl. Das ganze Erdgeschoss des Objektes war als Lagerraum vermietet und enthielt etwa 202 Tonnen Metallwaren, 87 Fässer Maschinenöl zu ca. 200 l, 142 Tonnen Papier in Paletten und Rollen, 1.8 Million Papierbecher, 191000 PVC-Becher und 500000 Becherdeckel sowie 120 Paletten Karton mit etwa 24 Tonnen. Südlich des Brandobjekts befand sich eine Trafostation, von der eine 500 Volt-Freileitung zum Gebäude führte. Ebenso wurde von diesem Trafo aus auch die 15000 Volt-Oberleitung des Trolleybusses versorgt. Von den Nachbarwohnhäusern waren sieben in grösster Gefahr.

Helikopter stellte Brandausbruch fest

Etwa um 16.05 Uhr wurde von dem später ermittelten 17jährigen Brandstifter im 2. Boden zwischen den Gebäuden 3 und 12 Feuer gelegt. Explosionsartig breitete sich das Feuer nach allen Richtungen aus und fand im etwa 100 Jahre alten und von der Ziegeleifabrikation her stark verstaubten Holzbauweise reiche Nahrung. Bereits zehn Minuten bevor die Balgacher Feuerwehr alarmiert wurde, machte sich die Feuerwehr Hohenems auf dem Weg zum Einsatz. Ein Hubschrauber der österreichischen Verkehrsüberwachung hatte im Innenhof der Ziegelei offenes Feuer festgestellt und zugleich bemerkt, dass noch keine Feuerwehr am Ort war und löste via Bregenz über Funk Alarm aus.

Hilfe aus der ganzen Region

Als die Feuerwehr ankam, stand bereits das ganze Gebäude in voller Länge in Vollbrand. Ein Innenangriff auf das Brandobjekt kam von keiner Seite her mehr in Frage. Infolge der grossen Übergriffsgefahr auf die Wohnhäuser und die Öltanks liess Max Kaiser folgende Feuerwehren aufbieten: Heerbrugg, Au, Widnau, St. Margrethen, Berneck, Betriebsfeuerwehr Jakob Rohner AG, Rebstein, Firma Wild AG, Heerbrugg.

Schutz der Umgebung

Starke Strahlungshitze bedrohte schon nach kurzer Zeit die benachbarten Wohnhäuser. Max Kaiser erinnert sich, dass das dem Brandobjektgegenüber liegende Bürogebäude jeden Augenblick in Flammen aufzugehen drohte; die Walzen an den Schreibmaschinen hatten sich wegen der grossen Hitze bereits verformt, wie später festgestellt wurde. Die Feuerwehr Balgach nahm sich sofort des Schutzes dieses Hauses an, die Feuerwehr Hohenems schützte mit dem Tanklöschfahrzeug den Anbau zum Haus Degani, auf den das Feuer bereits übergegriffen hat. Ein weiteres Schwergewicht lag beim Schutz von fünf weiteren benachbarten Wohn- und Geschäftshäusern sowie bei der Sicherung der Tanks mit gefährlichem Inhalt.

Nach einer Stunde war der Brand unter Kontrolle

Von 16.45 bis 17.15 Uhr war das ganze Objekt eine einzige Flammenhölle mit 50m hohen Flammen, Max Kaiser: „An einigen Orten hatten die Rohrführer nicht nur gegen die Hitze anzukämpfen, sondern auch unter der Luftknappheit zu leiden und mussten alle 5 bis 10 Minuten ausgewechselt werden.“ Grosse Arbeit hatten auch die Verkehrsabteilung von Heerbrugg und Balgach zu leisten, da der ganze Verkehr umgeleitet und die bis zu 6000 Zuschauer immer zurückgedrängt werden mussten. Um 17.30 Uhr war das Feuer unter Kontrolle und die Umgebung so gesichert, dass kein Feuerübergriff mehr zu befürchten war.

Einige Erkenntnisse

Wäre es mit den heutigen besseren Ausrüstungen unsere Feuerwehren möglich, einen Brand wie denjenigen vom 21. August 1971 rasch unter Kontrolle zu bringen? Wie dazu Max Kaiser der „Ostschweiz“ erklärte, hatte sich das Feuer wegen der langen Zeit, die zwischen Brandlegung und Alarmierung verstrichen, schon zu weit ausgebreitet. Auch mit einer grösseren Zahl von Tanklöschfahrzeugen hätte die Ziegelei selbst nicht mehr gerettet werden können. Balgach hatte sich übrigens bereits ein Jahr vorher beim Kanton um ein Tanklöschfahrzeug beworben, doch zögerte man mit der Bewilligung des Beitrages wegen der hohen Kosten. Das Brandereignis vom 21. August 1971 hatte zur Folge, dass die anschaffung kurz danach bewilligt wurde.
 










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