Fachvortrag Naturereignisse / Hochwasser 2014

Wir sind erst im Notfall da

Selbst Kaderleute der Feuerwehr wussten nicht genau, wie eine Gefahrenkarte entsteht. Seit dem Vortrag am Dienstag ist es anders. «Nun haben wir mehr Hintergrundwissen über Naturgefahren und sind organisatorisch besser gewappnet», sagte Kommandant Urs Castellazzi.

Sie waren im Einsatz, als im Juni der Binnenkanal und Zuflüsse Quartiere und Landstriche überfluteten, Hänge rutschten – 65 Kadermitglieder der Feuerwehren Berneck-Au-Heerbrugg und Mittelrheintal. Sie kennen den Notfall. Als Grundlagen der Einsätze bei Hochwasser dienen Gefahrenkarten. Wie sie entstehen und bei der Vorbeugung helfen, wussten bis anhin die meisten Kaderleute nicht genau.

Jahr der Naturgefahren

«Warum hören wir heute einen Vortrag über Naturgefahren? Wir haben genug Wasser gesehen», sagte Enzo Termine (Ausbildung). «Die Bevölkerung erwartet, dass wir uns in allen Themen weiterbilden. Das Juni-Hochwasser bewog uns, das Kader noch besser vorzubereiten.» Naturgefahren seien unberechenbarer als Feuer. «Das ist unser Kerngebiet.»
 
«Wir haben 2013 als Jahr der Naturgewalten erlebt», sagte Corinne Epple (Ausbildung). Spitzen waren die Flut im Juni und der Föhnsturm an Weihnachten. Die Abstände zwischen grossen Ereignissen werden kürzer. «Haben wir mehr Hintergrundwissen, sind wir besser gewappnet.»
 
Gefahr ist für jeden ersichtlich
 
«Es könnte noch schlimmer kommen», sagte Heinz Meier. Der Leiter Sektion Wasserbau im Tiefbauamt des Kantons und Projektleiter Ralph Brändle lieferten das Hintergrundwissen. Das Schadenpotenzial steige wegen des verdichteten Bauens stetig, sagte Brändle. «Fällt viel Niederschlag, sind heute mehr Bauten betroffen.» Die Gefahrenkarte des Kantons zeigt für jede Gemeinde auf, wo Risiken und Defizite bei Schutzmassnahmen bestehen. Anhand von Farben kann jeder im Internet (www.geoportal.ch) erkennen, welcher Gefahr seine Liegenschaft ausgesetzt ist.
 
Grundlage zu Baubewilligungen
 
Die Gefahrenkarte liefert wertvolle Informationen für die Raumplanung. Sie sind Hilfsmittel, ein Massnahmenkonzept zu erstellen. Für Gemeinden sind sie Grundlage, Strategiepapiere zu entwickeln – für Bewilligungen von Neubauten, Nutzungsbeschränkungen und die Planung technischer Massnahmen. Schutzbauten und Objektschutz entsprechen so den jeweiligen Risiken. «Wir erheben einzelne Gefahrenquellen und stellen sie in der Karte dar.» Hierzu gehören Hochwasser, Rutschungen, Stürze und Lawinen. «In einem nächsten Schritt werden die Daten zusammengeführt und ergeben so ein Gesamtbild», sagte Brändle. Spätere Ereignisse werden auch ins Kataster aufgenommen. «Die Auswirkungen eines Hochwassers werden schnell vergessen.» Nach dreissig Jahren wisse kaum jemand in der Bevölkerung, welche Folgen eine Flut oder ein Hangrutsch hatte. Heinz Meier rief bei den Einsatzkräften das Hochwasser von 2009 in Eichberg in Erinnerung. «Dort kam alles zusammen: Wasser, Holz, Geschiebe und Ufererosion.» Anhand von Fotos zeigte er auf, wie in 15 Minuten Niederschlag Schäden von 8 Millionen Franken entstanden. Die Auswertung der Spuren ergab, die Schutzbauten hätten für das Wasser genügt, nicht aber für Kies und Holz. «Die Dokumentation der Daten dient dazu, die Grösse geplanter Schutzbauten zu ermitteln.»
 
Prävention und Einsätze
 
«Es ist interessant zu hören, was passieren kann», sagte Feuerwehrler Beat Eisenbart. «Wir sind erst im Notfall da.» Nun verstehe er besser, wie eine Verbauung das Tempo eines Bachs verringert. Es sei gut, eine Verbindung von Prävention und Einsatz ziehen zu können. «Hochwasser werden immer häufiger. Es ist für uns gut, mehr darüber zu wissen», ergänzte Kollege Peter Reinhard.
 
Bericht von MONIKA VON DER LINDEN vom Rheintaler
 
Vortrag HW Eichberg 2009 Meier (PDF, 22`524KB)   
Vortrag Naturgefahren Brändle (PDF, 5`139KB)   
 
Als ehemaliger Kommandant der Feuerwehr Mittelrheintal ist Leo Thurnherr (Regionaler Führungsstab Mittelrheintal) mit den Risiken der Naturgefahren vertraut. Er zog in seinem Referat Bilanz des Juni-Hochwassers.
 
Anhand von Luftaufnahmen zeigte er auf, welche Gebiete in Widnau, Au und Berneck überflutet waren und wo Hänge ins Rutschen gerieten. «Durch die Farbe, die Trübung des Wassers, erkennen wir, ob es direkt aus dem Binnenkanal oder einem Zufluss stammt, oder ob es aus der Kanalisation hochgedrückt wurde», sagte Leo Thurnherr.
 
Die Aufnahmen entstanden jeweils samstags und sonntags des ersten Juni-Wochenendes. «Führt der Binnenkanal Hochwasser, können sich die Zuflüsse nicht in den Kanal entleeren. Er mag die Wassermengen nicht fassen. Der Rückstau der zahlreichen Bäche ist Ursache für weitere Überflutungen.»
 
«Die Luftaufnahmen sind ein klarer Beweis dessen, dass die Gefahrenkarte verhebt», sagte Marco Köppel (Kommandant Feuerwehr Mittelrheintal). «Sie decken sich und bilden ein gutes Werkzeug für die Notfallplanung. Wir können genau sehen, wo die tiefsten Punkte und die Schwachstellen liegen.» Das bestätigt Urs Castellazzi (Kommandant Feuerwehr Berneck-Au-Heerbrugg): «Wir haben die Gefahrenkarte eins zu eins im Einsatz gebraucht.»
 
Keller auszupumpen sei erst sinnvoll, wenn der Niederschlag nachgelassen habe und der Pegel des Kanals wieder falle, erklärte Leo Thurnherr. Weiter sei die Sicherstellung der Stromversorgung wichtig. «Die Pumpen von Privatpersonen werden mit Strom betrieben.» Dies sei den Einsatzkräften im Juni gelungen. Lobend hob Thurnherr den Einsatz des Beavers am Littenbach in Au hervor. Mit einer punktuellen Massnahme wurde ein ganzer Strassenzug geschützt.
 
Bericht von MONIKA VON DER LINDEN vom Rheintaler
 











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